
Zverevs Triumph bei den French Open überschattet von Streit um lebenswichtige Maßnahme
Paris - Alexander Zverev kehrt eindrucksvoll in die Tennis-Weltspitze zurück. Nach seinem beeindruckenden Dreisatzsieg (6:1, 6:4, 6:3) gegen Grigor Dimitrow steht der Hamburger im Viertelfinale der French Open - demselben Ort, an dem er vor einem Jahr eine schwere Verletzung erlitten hatte. Doch Zverev hat nicht nur auf dem Tennisplatz mit seinen Gegnern zu kämpfen, sondern auch außerhalb des Spielfelds werden ihm Hindernisse in den Weg gelegt.Zverev feiert Erfolg bei den French Open, doch Diskussionen über seine Erkrankung entflammen
Als der zweite Satz zu Ende ist, verlässt Zverev plötzlich den Platz und geht in die Umkleidekabine. Eine Toilettenpause? Keineswegs. Der Olympiasieger spritzt sich Insulin. Zverev leidet seit seiner Kindheit an Diabetes. Bereits im Alter von vier Jahren wurde bei ihm Diabetes Typ 1 diagnostiziert. Im vergangenen Jahr machte das Tennis-Ass seine Erkrankung öffentlich und gründete sogar eine Stiftung.Absurder Streit um Zverev bei den French Open: "Es geht um mein Leben"
Doch warum darf sich Zverev bei den French Open nicht auf der Bank Insulin spritzen? Ihm wurde von Verantwortlichen gesagt, dass es merkwürdig aussähe, wenn er sich während des Spiels spritzen würde, als ob er dopet. "Ja, ihr seid nicht sehr, sehr schlau. Wenn ich mich nicht spritze, begebe ich mich in Lebensgefahr", betonte Zverev."Beim letzten Spiel sagten sie, es sei eine Toilettenpause. Da habe ich gesagt, dass es sein könnte, dass ich vier oder fünf Mal raus müsste. Aber diese Schiedsrichterin wusste, dass es Unsinn ist, es als Toilettenpause zu werten, denn dafür sind nur zwei erlaubt", erklärte der 26-Jährige. "Und hier geht es um mein Leben, wenn ich mich nicht spritze. Aber beim letzten Mal war ein Supervisor da, der nicht einmal wusste, dass ich Diabetiker bin."
Zverev genervt von Unterstellungen von Toilettenpausen und Dopingvorwürfen
Zverev enthüllte, dass während seines Spiels gegen Frances Tiafoe ein Supervisor "gar nicht wusste, dass ich Diabetiker bin. Als er sah, dass ich mir eine Spritze gebe, geriet er in Panik und sagte: 'Was machst du? Was machst du? Du musst einen Arzt rufen, wenn du dir etwas geben willst.'" Dabei braucht Zverev keinen Arzt, der kein Diabetologe ist. "Er wird gar nicht wissen, was ich machen soll und wie viel ich mir spritzen muss."Zverev fordert endlich Klarheit in dieser Angelegenheit: "Entscheidet euch, was ich tun soll", forderte der Olympiasieger und fügte hinzu: "Das werde ich dann auch tun, aber schickt mich nicht hin und her. Sagt mir nicht, dass es eine Toilettenpause ist und sagt mir nicht, dass ich einen Arzt holen soll, der keine Ahnung hat, was ich habe."
Boris Becker attackiert die Organisatoren der French Open wegen des Zverev-Streits
Auch Eurosport-Experte Boris Becker fand klare Worte: "Der Turnierveranstalter muss das doch wissen. Er macht das regelmäßig selbst", kritisierte er. "Womit er sich nach einem gewonnenen zweiten Satz auseinandersetzen muss, ist unterirdisch."Diabetes (Zuckerkrankheit) ist eine Stoffwechselkrankheit, bei der der Körper kaum oder kein Insulin mehr produzieren kann. Der Typ-1-Diabetes, unter dem Zverev leidet, ist bisher nicht heilbar, sodass die Betroffenen ihr Leben lang Insulin spritzen müssen. Zverev trifft im Viertelfinale der French Open am Mittwoch auf Tomas Martin Etcheverry aus Argentinien. Abseits des Tennisplatzes ist Zverev ein großer Fan des FC Bayern und kritisierte die Bosse für die Entlassung von Nagelsmann. (ck)